Wie du die Liebe zum Lesen (wieder-) entdeckst + Buchempfehlungen

Achtung - Dieser Beitrag will dich in eine Leseratte verwandeln! Du wirst lernen:

  • Warum wir die Lust am Lesen verloren haben
  • Warum Bücher echte Schnäppchen sind
  • Wie du den Spaß am Lesen wiederentdeckst
  • Buchempfehlungen gibts auch noch!

Ich bin ganz aufgeregt, also schnell, auf geht's...

Warum haben wir die Lust am Lesen verloren?

Ich glaube Lesen ist etwas, dass wir als Kinder genießen. Es befriedigt Neugier. Ich erinnere mich, wie ich als Kind jedes Dinosaurier Buch auswendig gelernt habe.

Ohne Schuldzuweisungen betreiben zu wollen, ich glaube die Schule hat mir die Lust am Lesen genommen. Vielleicht war es Kabale und Liebe. Vielleicht war es Effi fucking Briest. Ich weiß es nicht mehr.

Aber der Druck etwas lesen zu müssen, das mich nicht interessiert hat mein Gehirn konditioniert: Lesen gleich Bäh.

Neugier führt zum Lesen

Und dann kam Richard Bransons Biographie. Das Buch ist gut, aber es hat mich vor allem in der richtigen Zeit erwischt. Ich war jung und wollte Kohle machen und dann kam dieses Buch von diesem Kerl aus England, der eigentlich nichts hatte außer Mut und Eiern und daraus ein Imperium geschaffen hat. Das hat mich gebannt. 

Kabale und Liebe ist sicherlich ein tolles Werk. Glaube ich zumindest. Aber nicht für einen 16jährigen.

Bücher müssen dich zum richtigen Zeitpunkt erwischen. 

Sowie Tiziano Terzanis Buch, dessen Worte sich in meinem Buch wiederfinden, weil sie mich so geprägt haben.

Lesen macht das Leben besser. Es bleibt bestimmt nicht das ganze Buch hängen, aber wenn es nur eine Lektion aus 300 Seiten ist, dann hat es sich schon gelohnt. 

2 Gründe warum du noch heute ein Buch in die Hand nehmen solltest

Wenn du nach den positiven Effekten googlest, die das Lesen mit sich bringt, dann läufst du in Gefahr einzuschlafen: Vergrößert den Wortschatz, gut für die Allgemeinbildung und - natürlich - reduziert Stress. Laaaaaangweilig!

Hier sind 2 viel bessere Gründe:

1. Bücher sind die größte Schnäppchen aller Zeiten!

Du kannst für ein paar Euro in den Gedanken der größten Genies der Welt baden! Vor ein paar hundert Jahren wäre es undenkbar gewesen Zugriff auf die Tagebücher eines römischen Kaisers zu kriegen. Heute? Das Taschenbuch kostet 4,80€. 

Wenn du auf einen Vortrag von Tony Robbins gehst bist du schnell tausende Euro los. Seine Bücher gibt es für wenige Euro.

2. Fütter dein Hirn mit neuen Ideen und Inspiration

Unser Verstand ist ein Wunder und funktioniert wie ein Schwamm. Verstopf ihn nicht mit Nachrichten und Trash TV. Füttere ihn stattdessen mit neuen Ideen und Inspirationen.

Bücher können nicht weniger als dein Leben umkrempeln. Bücher sind Lehrer. Ich habe soziale Interaktionen nie wieder durch die gleiche Brille gesehen wie nach "Die Kunst kein Egoist zu sein".

Ich habe beschlossen selbstständig zu werden nach dem ich die 4 Stunden Woche gelesen habe. 

Dieses Buch hat mich auf die Reise in die Achtsamkeit geschickt und mich gelehrt, dass die guten Zeiten jetzt sind.

Richard David Precht, Sam Harris oder Tim Ferriss gehören nicht zu meinen engen Freunden. Trotzdem habe ich danke Ihrer Bücher Zugriff auf sie. 

Buch oder E-Book?

Ich schwöre auf den Kindle.
Ebooks sind so ein bisschen wie ein Auto mit Automatik. Traditionalisten schwören auf das Gefühl beim Schalten. Bis sie Automatik fahren. Ist halt gemütlicher.

Ein Ebook Reader ist leicht. Hat ein Licht. Es ist super angenehm darauf zu lesen. Du kannst eine LKW Ladung Bücher darauf abspeichern. Und du hast immer Zugriff auf neue Bücher, sofern du Internet hast. 

Bonus: Wenn du beim Lesen einschläfst, erleidet dein Gesicht weniger Schaden, wenn dir der Kindle auf das Gesicht fällt im Vergleich zu einem gebundenen Buch.

In 5 Schritten zum Lesevergnügen

Wenn du kein Spaß am Lesen hast, dann vergiss alles was du über das Lesen weißt. Wir wurden darauf konditioniert, dass Lesen Arbeit ist. Das ist es nicht. Lesen soll Spaß machen! So kommst du zum Lesevergnügen:

  1. Fertig lesen? Nö!
    Du musst das Buch nicht fertig lesen! Wenn es dich nicht packt, dann leg es weg. Ich bin der festen Überzeugung, dass dich ein Buch im richtigen Moment finden muss. Vielleicht ist einfach nicht der richtige Moment.
  2. Von vorne nach hinten lesen? Nö!
    Das Leben ist kurz. In Sachbüchern springe ich auch gerne mal zwischen den Kapiteln und picke mir die Perlen heraus, die mich wirklich interessieren.
  3. Lies was dich interessiert.
    Es gibt sprichwörtlich Bücher über alles. Oft wählen wir Bücher die man gelesen haben muss, oder Bücher, die jemand anderem gefallen haben. Lies doch einfach was dir gefällt. 
  4. Habe immer 10 Bücher in der Hinterhand.
    Ein weiterer Grund warum ich den Kindle so mag. Wenn ich von einem Buch höre, dann lade ich mir sofort die kostenlose Leseprobe herunter. So laufe ich nie in Gefahr "buchlos" zu sein.
  5. Sei nicht treu - Lies mehrere Bücher gleichzeitig
    Bücher sind wie Musik. Morgens zum Frühstück will ich keinen Gangster Rap.
    Bücher müssen zur Stimmung passen. Ich lese abends lieber Romane, aber mittags und morgens lieber Sachbücher. Deswegen habe ich meistens zwei bis drei Bücher parallel am laufen. Bisher hat sich noch keines beschwert. 

Wie komme ich in eine Leseroutine?

Ganz einfach:

1. Finde ein interessantes Buch.
2. Nimm dir jeden Tag 10 Minuten zum Lesen
3. Mach das für 30 Tage.
4. Lies immer zur gleichen Zeit. Zum Beispiel während dem Frühstück.
5. Wenn dich das Buch langweilt, finde ein anderes.
6. Beobachte wie sich der Leseflow entwickelt. 

Buchempfehlungen?

Schön, dass du fragst! Ich reihe dir hier mal eine ganze Reihe von Büchern auf, die ich liebe. Und ich hoffe, dass meine lieben Leserraten-Leser uns noch einige Bücher in den Kommentaren empfehlen!

Sachbücher

Die Kunst kein Egoist zu sein >

Das Buch hat 3 Teile. Erstens ist der Mensch von Natur aus Böse oder Gut? Zweitens: Wenn der Mensch gut ist, warum geht dann so viel schief. Drittens: Was können wir tun, damit es besser wird. Insbesondere der zweite Teil ist phänomenal.

Wie man Freunde gewinnt >

Bücher, die alt sind und sich dennoch gut verkaufen haben den Test der Zeit bestanden. Das Buch ist fast 100 Jahre alt und enthält zeitloses Wissen über die Kunst ein besserer Freund zu sein.

​Das große Buch vom Schlaf >​

Seitdem ich das Buch gelesen habe, achte ich penibel auf meinen Schlaf. Man muss das Buch nicht von vorne bis hinten lesen. Einfach blättern und lesen was interessiert.

Waking Up (engl) >

Dieses Buch hatte wahrscheinlich den größten Einfluss auf mein Leben. Ohne dieses Buch gäbe es mein Buch nicht und diesen Blog nicht und ich würde wahrscheinlich immer noch Regenbögen jagen.

Awareness (engl) >

Zweites "Sprituelles ohne Bullshit-Buch". Wenn ich gestresst bin blätter ich gerne in diesem Buch, um mich wieder auf den Boden der Tatsachen zu holen.

Die 4-Stunden Woche >

Mittlerweile ist das Buch ein Klassiker. Es regt an über die Art und Weise, wie wir Arbeit begreifen nachzudenken. 

Romane

In die Wildnis >

Hast du genug von unserer Gesellschaft und dem Hamsterrad? Sehnst du dich danach auszubrechen? Dann ist dieses Buch für dich!

Das Ende ist mein Anfang >

Tiziano Terzani erkrankt unheilbar an Krebs. Er nutzt die ihm verbleibende Zeit um mit seinem Sohn Folco über das Leben zu philosophieren. Das Buch hat mich schwer beeindruckt.

Frühstück mit Kängurus >

Bill Brysons Schreibstil ist es wert jedes Buch von ihm zu lesen. In diesem Buch berichtet er über seine Reise nach Australien und den vielen Geschichten, die dieser Kontinent zu erzählen hat.

Hast du Buchempfehlungen für uns?

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  • Markus Schüller sagt:

    Hi Stefan, Kompliment für Deinen Artikel und Danke für die Tipps. Einige Bücher werde ich lesen.

    Für mich ist das übrigens die beste Art und Weise, mich von einem Buch finden zu lassen. Ich folge den Vorschlägen Anderer. So erweitert sich der Horizont in Windeseile, wenn man offen dafür ist. Viele Bücher kommen einfach zu Dir, wenn Du sie brauchst

    Liebe Grüße,

    Markus

  • Alex sagt:

    Hallo Stefan,
    eins der besten Bücher für mich ist:
    „Abgefahren- In 16 Jahren um die Welt“

    Dort wird erzählt wie aus einer Motorradtour nach Japan eine 16 Jahre dauernde Weltreise wird.

    Schöne Grüße
    Alex

  • Harald sagt:

    Hallo Stefan,

    da ich mich auch sehr gerne von anderen inspirieren lasse, hier mein Vorschlag für alle die „spirituell“ unterwegs sind und etwas darüber lesen möchten wie es anderen ergangen ist, oder wo sie selbst gerade stehen. Außerdem bringt es, wie ich finde, wesentliche Erkenntnisse schön auf den Punkt.
    Jack Kornfield: „Nach der Erleuchtung Wäsche waschen und Kartoffeln schälen.“

    Liebe Grüße
    Harald

    • Stefan sagt:

      Hi Harald,

      wie witzig.. Ich habe mir in den letzten Tagen 2 Podcasts mit Jack Kornfield angehört und bin total begeistert gewesen von ihm und jetzt kommt deine Empfehlung.. Timing eben 🙂

      Danke dir vielmals
      Stefan

  • Yvonne sagt:

    Guten Morgen Stefan,
    mir ist die Leselust in der Schule nicht vergangen – ich habe immer schon (naja, seit ich lesen kann;-) sehr sehr gerne gelesen, vor allem Romane und liebte es schon als Kind, in diese Phantasiewelten abzutauchen. Eines meiner liebsten Kinderbücher, (die Insel der Abenteuer von Enid Blyton) das ich mit etwa 10 Jahren gelesen habe, habe ich vor einigen Jahren mit meinem Sohn nochmal gelesen und es hat mich, was ich verwunderlich finde, immer noch gefesselt und berührt. Ein anderes (die letzten Kinder von Schewenborn von Gudrun Pausewang), das mich als Teenager sehr beeindruckt hat, kann ich heute als Mutter kaum mehr lesen.

    Obwohl mein Sohn schon 15 ist, lesen wir uns immer noch gegenseitig vor und auch im Urlaub zu dritt nehmen wir immer ein thematisch passendes Buch mit (zuletzt die Biographie von Danny Mc Askill: Biken am Limit) und lesen uns gegenseitig daraus vor.

    Aber Du fragtest ja nach Vorschlägen, vor allem nach Romanen… Hier sind meine Lieblingsromane:
    – alle vier Bücher von Joachim Meyerhoff (Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war/Alle Toten fliegen hoch:Amerika/ Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke/die Zweisamkeit der Einzelgänger)
    – eigentlich alle Bücher von John Boyne (vor allem: der Junge auf dem Berg/ der Junge im gestreiften Pyjama/Cyril Avery/So fern wie nah)
    – vor kurzem hat mich „Braune Erde“ von Daniel Höra gefesselt
    – und gerade habe ich „In den Iran, zu Fuß, ohne Pass. Auf der Suche nach meiner Mutter“ von Mehdi Maturi angefangen und es fällt mir schwer, es weg zu legen

    Ich lasse mich oft von Covern leiten und surfe durch Buchvorschläge, die mir aufgrund bisheriger Suchen vorgeschlagen werden. Algorithmen und Angst vor Durchleuchtbarkeit hin oder her – diese Vorschläge leiten mich ganz oft zu tollen Büchern. So kam ich über Reisebücher übrigens auch auf Dein Buch, welches ich zum Jahreswechsel gelesen habe und welches mich beglückt zurück ließ 😉 Typisch, wenn ich ein Buch mag ist bei mir immer, dass ich es am Anfang verschlinge und es gegen Ende nur zögerlich in die Hand nehme, aus Traurigkeit darüber, dass es nun bald vorbei ist. So ging es mir mit Goodbye Lehmann auch…

    Liebe Grüße,
    Yvonne

    • Stefan sagt:

      Hallo liebe Yvonne,

      vielen Dank für die Vorschläge, da habe ich gleich mal zugeschlagen 🙂

      Ja, und die Algorithmen sind auch einfach gut, das muss man schon mal sagen dürfen. Ich habe da auch schon tolle Bücher gefunden.

      Wie schön, dass du die Liebe zum Lesen deinem Sohn weitergegegeben hast! Was für ein tolles Geschenk..

      Viele Grüße
      Stefan

  • Maizwilling sagt:

    Sorry, habe gerade nicht die Zeit für einen ausführlichen Kommentar, aber meine neueste Buchendeckung bei kindleunlimeted muss ich euch weitergeben: „Wasserscheiden“ von Alfred DeMichele,
    ist von 2018 und ein prophetischer Blick in eine mögliche Zukunft

  • Fabian sagt:

    Ich teile deine Einschätzung zum Lesen. Als Kind habe ich viele Bücher gelesen – insbesondere aus den Bereichen Abenteuer und Krimi. Als ich dann in die Pubertät kam, war Lesen plötzlich völlig out. Sicherlich war auch bei mir die Schule nicht ganz unschuldig. Die Werke, die man dort liest, sprechen wohl die wenigsten Schüler mitten in der Vollpubertät an. Ich hatte z.B. während meiner Schulzeit Hermann Hesses „Unterm Rad“ mit Ignoranz gestraft, heutzutage gefällt mir das Buch gut.

    Bis etwa Mitte 20 war bei mir also lesen als öde abgespeichert. Erst dann fing ich wieder an. Heute lese ich hauptsächlich Kriminalromane und Bücher über das Erwachsenwerden („Coming-of-Age“). Hier kann ich „Sommerhit“ von Tom Liehr empfehlen, aber auch „Nächsten Sommer“ von Edgar Rai. Ich kann auch noch „Der Medicus“ von Noah Gordon empfehlen, aber das ist sicherlich kein Geheimtipp. Ich fand es ganz toll, in die mittelalterliche Welt einzutauchen – auch wenn historisch sicherlich nicht alles korrekt war.

    Sachbücher habe ich bisher wenige gelesen, aber ich denke, ich werde deiner Precht-Empfehlung folgen.

    Mir hat das Lesen geholfen meine Scheuklappen abzunehmen. Ich war als Schüler und mit Anfang 20 ziemlich ignorant unterwegs. Durch das Lesen von Büchern lernte ich, in andere Welten und andere Sichtweisen abzutauchen. Das hilft mir meinen Gegenüber besser zu verstehen und mich ihn ihn hineinzuversetzten. Vielleicht ist das auch eine natürlich Entwicklung beim Erwachsenwerden, aber ich denke, dass mir Lesen dabei definitiv geholfen hat.

    • Stefan sagt:

      Hi Fabian,

      absolut richtig.
      Viele Menschen gehen durch das Leben und lernen (wenn überhaupt) nur durch eigene Erfahrungen. Durch Lesen kann man durch Erfahrungen anderer Lernen. Was für ein Geschenk!

      Viele Grüße
      Stefan

  • Felix sagt:

    Kurz und knapp:
    Yuval Harari – Kurze Geschichte der Menschheit und Homo Deus
    Taiye Selasi – Die Dinge geschehen nicht einfach so (Ghana Must Go)

  • Felix sagt:

    Und noch ein Nachtrag:
    Franz Metcalf, BJ Callagher: Was würde Buddha am Arbeitsplatz tun? –> auch (und v.a.) für nicht Buddhisten…

  • Max sagt:

    Hallo Stefan,

    ich teile deinen Verdacht, die Schule sei schuld an der tiefen Abneigung zu Büchern. Als Kind liebte ich Bücher, egal ob selbst zu lesen oder vorgelesen zu bekommen, und bis heute habe ich gute Erinnerungen an die Abenteuer des kleinen Maulwurfs, an die beiden Spitzbuben Max und Moritz, die Geheimnisse der 3 Fragezeichen und an Ronja Räubertochter, die vermutlich meine erste große Liebe war.
    Später saß ich stundenlang mit meiner Mutter im Garten. Beide waren wir vertieft in unsere Groschenromane und zur körperlichen Stärkung standen Obst und Kekse bereit. Meine Mutter verschlang jeden Tag ein Jerry-Cotton-Heft und auch ich schaffte es, mich in eine andere Welt versetzen zu lassen und ein bis zwei John-Sinclair-Hefte pro Woche zu lesen.

    Doch dann musste ich mich in der Schule durch Pflichtlektüren quälen, von denen irgendein Beamter der Meinung war, diese seien wichtig für die Allgemeinbildung. Erinnerst du dich auch noch an die knallgelbe Farbe der widerlichen Reclam-Heftchen? Allein ihr Anblick war ebenso attraktiv und motivierend wie ein Strafzettel für Falschparken. Und erst der Gestank der vielen kleinen Seiten aus bräunlichem Recycling-Papier – igitt. Ich hatte schon damals, genauso wie heute, absolut keinen Nerv für die Klassiker von Goethe, Nestroy, Raimund usw. Mir wird richtig übel, wenn ich an all die wertvolle Schulzeit denke, die die unwiederbringlich verloren gegangen ist, während wir in der Klasse abwechselnd die Texte der einzelnen Darsteller vorlesen mussten. Allein und im Stillen hätte ich das blöde Buch im Nullkommanichte durch gehabt, aber nein, wir mussten ja so tun als wären wir ein Volkstheater für geistig Beschränkte.

    Der Humanismus, so wie ich ihn kennenlernte, war absolut nicht mein Fall und daher entschloss ich mich für die technische Ausbildung. Während der nächsten 20 Jahre waren technische Fachbücher und Reparaturanleitungen für meine Autos und Motorräder so ziemlich die einzigen Drucksorten, die sich einen Platz im Bücherregal erhoffen durften.

    Das änderte sich schlagartig am 21. November 2009, jenem Tag, der mein Leben für immer verändern sollte. Ausgerechnet ein Hörbuch war der Auslöser, der meine bisherigen Denkmuster aufknackte und es verstand, sie neu auszurichten. Anstatt frustriert mit voller Wucht in den Burnout zu rasen, erzählten mir vier bekannte Autoren, dass alles auch ganz anders sein kann, wenn ich es nur will.
    „Wir kündigen! Und definieren das Land neu“ gab mir den Mut, mich nicht mehr ausschließlich der Arbeit und den fremdbestimmten Verpflichtungen zu widmen, sondern endlich mein Leben so zu leben, wie ich es mir selbst am vorzustellen vermochte. Leider war zu diesem Zeitpunkt meine Sicht auf die Möglichkeiten, die diese Welt zu bieten hat, extrem eingeschränkt. Seit dem Jahr 2000 wuchs meine Büchersammlung auf aktuell etwa 500 Stück – und ich darf voll Stolz behaupten, zumindest drei Viertel aller dieser von mir gekauften Bücher (Wertschätzung der Leistung der Autoren – eine Frage der persönlichen Einstellung) eine auch von vorne bis hinten gelesen zu haben. Zu Beginn bestellte ich mir noch gebrauchte Bücher für kleines Geld, als ich dann allerdings begann, regelmäßig meinen Wohnsitz in einen anderes Land zu verlegen, lernte ich die Vorteile von eBooks zu schätzen. Neben dem konkurrenzlosen Verhältnis von Anzahl an Büchern zu deren Transportgewicht möchte ich keinesfalls mehr auf die Möglichkeiten zum Markieren von Textstellen und deren schnelles Wiederfinden bei Recherchen verzichten. Im Schnitt lese ich ein bis zwei Bücher in der Woche und wenn ich mal mehrere Tage nicht zum Lesen komme, fühle ich mich richtig mies.

    Wenn du mich jetzt fragst, welche Bücher ich empfehlen kann, dann müsstest du das zumindest auf das Sachgebiet einschränken. Hier ein paar Beispiele aus meinen letzten Kindle-Bestellungen, die vielleicht nicht ganz oben auf den Empfehlungslisten der Buchhändler aufscheinen (denn die kennt ohnehin jeder):

    Psychologie bzw. Sozialpsychologie fasziniert mich, um zu verstehen, wie einzelne Menschen für sich oder in der Gruppe handeln und (im positiven Sinn) manipuliert werden können.
    Aktuelle Buchempfehlungen: Alles könnte anders sein (Harald Welzer), Eine kurze Geschichte der Menschheit & Homo Deus (Yuval Noah Harari), Don’t Think of an Elephant! (George Lakoff), Politisches Framing (Elisabeth Wehling), Psychologie der Massen (Gustave Le Bon), Propaganda (Edward Bernays), Schnelles Denken, langsames Denken (Daniel Kahneman), Der Klügere denkt nach (Martin Wehrle), Erde 5.0 (Karl-Heinz Land), Aufklärung jetzt (Steven Pinker) usw.

    Philosophie ist der Schlüssel, um den eigenen Gedanken ein Gefäß bereitzustellen, in dem sie sich entfalten können. „Das, was ist, zu begreifen, ist die Aufgabe der Philosophie, denn das, was ist, ist die Vernunft. Was das Individuum betrifft, so ist ohnehin jedes ein Kind seiner Zeit; so ist auch die Philosophie, ihre Zeit in Gedanken erfasst.“ (Hegel).
    Aktuelle Buchempfehlungen: Jäger, Hirten, Kritiker (Richard David Precht), Die Wirklichkeit, die nicht so ist, wie sie scheint (Carlo Rovelli), StatusAngst (Alain de Botton), Von der Kürze des Lebens (Seneca, der Jüngere), Der fliegende Teppich (Gert Scobel – schaut euch auch seinen Youtube-Kanal „Scobel“ an), Wittgenstein und Heidegger – Die letzten Philosophen (Manfred Geier), der Video-Podcast „Sternstunde Philosophie“ vom SRF usw.

    Technologie und Wissenschaft sind die einzigen Mittel, um uns aus dem klebrigen Sumpf kulturell definierter Vorurteile und religiösen Dogmen zu befreien.
    Aktuelle Buchempfehlungen: Smarte Maschinen (Ulrich Eberl), It’s alive (Toby Walsh), Leben 3.0 (Max Tegmark), Übermorgen (Jörg Eugster), Quantenwirtschaft: Was kommt nach der Digitalisierung? (Anders Indset), Wenn Affen von Affen lernen (Mario Herger), Wenn nicht jetzt, wann dann (Harald Lesch), Der unterlegene Mensch (Armin Grunwald), Filter Bubble (Eli Pariser), Innovation: Streitschrift für barrierefreies Denken (Wolf Lotter) – und alle Artikel von ihm im Wirtschaftsmagazin brandeins, The Internet of Things (Mercedes Bunz (die heißt wirklich so) & Graham Meikle) usw.

    Persönlichkeitsentwicklung und Achtsamkeit sind unverzichtbare Krücken, um unseren Geist mit unserer Umwelt in Einklang zu bringen und so dem in uns schlummernden Potenzial sämtliche Steine aus dem Weg zu räumen, damit es sich zu unserem eigenen Wohl und zum Vorteil für die Gesellschaft entfalten kann.
    Aktuelle Buchempfehlungen: Komm, ich erzahl dir eine Geschichte (Jorge Bucay), Die Kuh, die weinte (Ajahn Brahm), Die innere Stimme (Christian Felber), Mit dem Elefant durch die Wand (Alex Hartmann), Lebe und arbeite nach deinen eigenen regeln (Tim Chimoy), Think! Denken bevor es zu spät ist (Edward de Bono), Einen Scheiß muss ich (Tommy Jaud), Mögest du glücklich sein (Laura M. Seiler) usw.

    Zielgruppengerechtes Marketing und attraktiver Content zählen zum gefragtesten Handwerk der kommenden Jahre und sind Grundlage dafür, dass ich mein Leben und meine Arbeit optimal unter einen Hut bringen kann. Wann und wo auch immer ich will.
    Aktuelle Buchempfehlungen: Alle Bücher von Hans-Georg Häusel, Alle Bücher von Wolf Schneider, Guide to Freelance Writing Success (Robert W. Bly), Breakthrough Advertising (Eugene M. Schwartz), The Sense of Style (Steven Pinker), Wie mache ich meine Geschäftspost zum Kundenmagneten (Simone Domahs), Design Thinking (Michael Lewrick), Warum das Gehirn Geschichten liebt (Werner T. Fuchs), PsyConversion (Philipp Spreer), Der Content Faktor (Steven Broschart), Texten können (Daniela Rorig), Der Dativ ist dem Genitv sein Tod 1-6 (Bastian Sick), alle Ratgeber von Ingrid Glomp zum Thema einfacher und verständlicher Schreiben usw.

    Grundlegendes Wissen über die (Volks-)Wirtschaft und das lokale/globale Finanzsystem helfen uns zu verstehen, warum manche Entscheidungsträger in bestimmten Situationen auch gegen die öffentliche Meinung agieren. Oft ist das, was die Masse für gut und richtig hält, für ebendiese alles andere als vorteilhaft. Doch Vorsicht: Laienwissen führt auch in diesen Sektoren gerne in eine geistige Sackgasse. Deshalb ist es wichtig, so viele unterschiedliche Ansichten wie möglich kennenzulernen. Und wer sich mit Wertpapieren ein wenig auskennt, kann im Laufe der Zeit ein nettes Passiveinkommen daraus generieren.
    Aktuelle Buchempfehlungen: Grundlagen der Volkswirtschaftslehre (Dennis Paschke – aber es gibt auch viele andere Autoren zu diesem Thema), Börse leicht verständlich (Judith Engst), Durch globales Chaos in die Neue Weltordnung (Peter Orzechowski), The Innovator’s Dilemma (Clayton M. Christensen) usw.

    Auf Belletristik stehe ich normalerweise nicht so sehr, außer es handelt sich um spannende Geschichten aus dem wirklichen Leben, die mit einem Blick hinter die Kulissen, mit Humor und/oder Sarkasmus erzählt werden. Poetry Slam zum Beispiel 🙂
    Aktuelle Buchempfehlungen: Genauer betrachtet sind Menschen auch nur Leute (Patrick Salmen), Bella Germania (Daniel Speck), Meistens alles sehr schnell (Christopher Kloeble), Das Zimmer des Wesentlichen (Monika Zeiner), Die Bestie im Menschen (Emile Zola), Sie haben ihr Ziel erreicht (Friedrich Kalpenstein) usw.

    Last but not least: Biografien über erfolgreiche Personen, wie Barack Obama, David Ogilvy, Steve Jobs, Elon Musk, Richard Branson, Michail Gorbatschow, Nikki Lauda und, ja, auch Donald Trump. Sein Großvater Friedrich, ein deutscher Einwanderer, starb 1918 in New York an einer Lungenentzündung, die später der Spanischen Grippe angelastet wurde. Donalds Großmutter und ihr Sohn, Donalds Vater, bauten das Familienhaus und fünf weitere Grundstücke in New York zu einem Unternehmen aus und legten damit den Grundstein für das spätere Trump-Imperium.
    Durch Biografien erhält man Einsichten in eine völlig andere Welt des Denkens und Handelns und das ist immer ein Gewinn, auch wenn man selbst nicht den Mumm hat, dieses beflügelnde Wissen in die Praxis umzusetzen.

    Man sagt ja, jeder Mensch sei der Durchschnitt jener fünf Menschen, mit denen er sich tagtäglich umgibt. Ich würde zusätzlich behaupten, das Denken des Menschen wird kurzfristig, durchaus aber auch nachhaltig beeinflusst von den Büchern, die er liest. Und damit der Geist nicht auf eine Einbahnstraße in die falsche Richtung gerät, ist Diversifikation auch hier der goldene Schlüssel zu einem selbstbestimmten Leben als kritisch denkender Bürger.

    Amen.

    P.S.: Auch ich habe im Augenblick 17 Kindle-Leseproben auf meinem iPad 🙂

    • Stefan sagt:

      Hi Max,
      wenn ich meinen Blog nicht selbst schreiben würde, dann käme ich hier her um deine Kommentare zu lesen!

      Vielen Dank für deine Zeit und die zahlreichen Anregungen, die mich und bestimmt viele andere eine gute Weile beschäftigen werden.

  • Yvonne sagt:

    Habe noch ein für mich ganz wichtiges Buch vergessen 😉
    Robert Seethaler – Ein ganzes Leben

  • Monika sagt:

    Hallo Stefan,

    auch mein Kompliment für deine Artikel und auch dein Buch. Es hat mich gefesselt und diejenigen, den ich es weiterempfohlen habe, ebenfalls.
    Ich war immer schon eine Leseratte, habe mit 4 Jahren begonnen und bisher nie die Lust daran verloren. Teilweise „brauchte“ ich pro Tag mindestens ein Buch…
    Und auch heute sind Bücher für mich immer noch eine gute Möglichkeit, abzuschalten, den eigenen Horizont zu erweitern, Denkanstöße zu bekommen und sich mit anderen Gedanken auseinanderzusetzen.
    Neben deinem Buch habe ich viele weitere Motorradreise-Berichte gelesen, besonders gerne auch das zweite Buch von Ted Simon und die Berichte von Christopher Many, den du ja auch getroffen hast 😊
    Zum Abschalten lese ich gerne Krimis, meist aus Finnland, Norwegen oder Bretagne.
    Interessant auch der Fall Collini von Ferdinand von Schirach.
    Zum Nachdenken angeregt hat mich Martin Walker: Germany 2064.
    Als Chemikerin auch gerne wissenschaftliche Bücher oder von Populär-wissenschaftliche Bücher, wie von Oliver Sacks.

    Viele Bücher hat Max bereits genannt. Max, über deine Empfehlungen bin ich wirklich beeindruckt! Sehr gut vorgestellt, so wie dein gesamter Text beneidenswert stilsicher ist.
    Manche Empfehlungen von Dir und Stefan hab ich direkt bestellt bei unserer kleinen Buchhandlung, die leider aktuell geschlossen haben muss, aber gerne online Bestellungen entgegennimmt.

    Da über 2000 Bücher im Bücherregal stehen und auch mein Tolino voll ist, werde ich mich wohl oder übel mal wieder von einigen Büchern trennen müssen, was jedes Mal schwer fällt.

    Aber ich freue mich auf den neuen Lesestoff 😀

    Liebe Grüße und Stay Healthy
    Monika

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