Tiziano Terzani über die Kunst sich sein Leben zu erfinden

Und dann macht es plötzlich Sinn.
Du hast irgendetwas in dir. Du weißt nicht mal was. Ein Gedanke, vielleicht nur eine Stimmung oder ein Gefühl.
Und dann stolperst du über eine Passage in einem Buch und plötzlich fallen die Puzzlestücke zusammen.
Die größte Gabe eines guten Autors ist: Gedanken oder Gefühlen Worte zu geben.

(c) Fliegen ohne Flügel: Eine Reise zu Asiens Mysterien. HOFFMANN UND CAMPE VERLAG

Deswegen liebe ich das Lesen.

Für diese "A-ha!" Momente.
Solch ein Moment ist Tiziano Terzani gelungen. Und zwar schon in der Eröffnung seines Buches "Fliegen ohne Flügel!"

»Hätte es an mir gelegen, wäre ich, reich, im Florenz der Renaissance geboren worden. Ich hätte die Welt bereist und Briefe an meine Freunde geschrieben.
Statt dessen kam ich, arm, mit ein paar Jahrhunderten Verspätung, aber immerhin in Florenz zur Welt.
Ich musste mir nur noch ein Leben erfinden, in dem ich reisen und schreiben konnte.«

Ich meine: WOW.

Dieser Satz: »Ich musste mir nur noch ein Leben erfinden, in dem ich reisen und schreiben konnte.​«

Ist es nicht ein wunderschöner Gedanke? Sich sein eigenes Leben zu erfinden? Macht er nicht Mut?

Terzani ist es gelungen, und das obwohl seine Startbedingungen grauenhaft waren. So schreibt er in "Das Ende ist mein Anfang": 

»Über die Plätze von Florenz schlenderten wir nur am Sonntag. Unsere Lieblingsbeschäftigung war, den Reichen beim Eisschlecken zuzusehen.«

Selbst ein Eis zu kaufen war unmöglich. Die Familie war arm, der Vater hatte die Schule nach den ersten drei Jahren verlassen. Sein Vetter hatte einen, wie er es nannte, interessanten Beruf: 

»Er sammelte im Dienst der Stadt Florenz die Scheiße der Trampferde auf.«

Terzani wurde dennoch Journalist und schwang sich auf einer der besten Asienkenner seiner Zeit zu werden. Ein Asien im Wandel. Zu einer Zeit, als es noch Abenteuer versprach und keinen Sauftourismus.

Dieser Satz: "Ich musste mir nur noch ein Leben erfinden.." ist mein Motto geworden.

Ich liebe die Leichtigkeit, die mitschwingt.

Jedesmal wenn ich vor einer schwierigen Entscheidung stehe, oder nicht weiß was, oder ob ich etwas machen soll, denke ich an diesen Jungen aus Florenz, der sich sein Leben selbst erfunden hat.

Tiziano Terzani: "Fliegen ohne Flügel" (1998)

»Vorsicht! 1993 läufst du Gefahr zu sterben. In diesem Jahr darfst du nicht fliegen. Nicht ein einziges Mal!«

Diese Prophezeihung erhält Tiziano Terzani 1973.
Auch wenn er nicht besonders abergläubisch ist, nimmt er, als das Jahr 1993 anbricht, diese Warnung ernst.
Nicht zu fliegen ist für ihn eine mächtige Herausforderung, schließlich war Terzani zu dieser Zeit Asien-Korrespondent für den Spiegel. So schlägt er sich mit allem was keine Flügel hat über Land von Bangkok nach Singapur und schließlich wieder in die andere Richtung bis nach Florenz. Es beginnt für ihn ein Jahr der Neubegegnung mit seinem Asien. Plötzlich hat er viel Zeit für Menschen und Dinge, die er vorher kaum beachtet hätte.

Ein tolles Buch, für alle, die gerne nach Asien reisen und wissen wollen wie es war, bevor es überrannt wurde.

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